Die UFF gratulieren Getraude Ils

Badische Zeitung, 16. April 2014

„Eine Frau, die ein großes Vorbild ist“

Zum 105. Geburtstag von Alt-Stadträtin Gertraude Ils (SPD): Freunde und Weggefährten gratulieren.

  1. Gertraude Ils Foto: Ingo Schneider

105 Jahre wird sie heute alt, die Grande Dame der Freiburger Sozialdemokratie, die Theaterwissenschaftlerin und Altstadträtin: Gertraude Ils. „Ich würde mich“, hat sie mal gesagt, „über die gesamte Dauer meines Lebens als menschenneugierig bezeichnen.“ Heute werden ihr viele Menschen zum Geburtstag gratulieren, den sie – geistig rege und gut aufgehoben in ihrem Beziehungsnetz von Familie und Freunden – feiern darf.

Geboren wurde sie am 16. April 1909 in Koblenz, sie studierte Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte – das Theater sollte sie ihr Leben lang begleiten. Elf Jahre lang, bis 1944, war sie Referentin beim Deutschen Bühnenverein in Berlin. 1939 heiratete sie den Juristen und späteren SPD-Bundestagsabgeordneten Hans Ils. Ihre eigene politische Karriere startete sie erst 1968, im Alter von 59 Jahren, als SPD-Rätin in Iburg. 1972, nach ihrem Umzug nach Freiburg, schaffte sie mit 66 Jahren auf Anhieb den Sprung in den Gemeinderat, dem sie knapp zehn Jahre lang angehören sollte.

Gernot Erler, 69, SPD-Bundestagsabgeordneter, Russlandbeauftragter der Bundesregierung und Ex-Staatsminister: „Gertraude Ils gibt bis heute ein einmaliges Beispiel: Im Alter sich für Politik begeistern, sich für junge Gedanken und Ziele engagieren und dabei allen zeigen, wie lebendig sich Kultur in Politik und Leben einmischen kann. Ganz nebenbei, ohne jedes Wort Gender benutzend, hat sie auch Frauen jeden Alters ermutigt, furchtlos ihren politischen Weg zu gehen. Egal wie lange sie noch unter uns ist und weiter an Politik und Kultur teilnimmt: Das wird immer bleiben von Gertraude Ils.“

Als Stadträtin und als interessierte Bürgerin galt ihre Leidenschaft und ihr Engagement vor allem der Kultur in all ihren Spielarten. Gertraude Ils trat für das Marienbad als Spielstätte des Kinder- und Jugendtheaters ein, unterstützte die Einrichtung des Kommunalen Kinos, das Archiv für Soziale Bewegungen, den Arbeitskreis Alternative Kultur und andere. Bis heute genießt sie in vielen Gruppen und Kulturinstitutionen hohes Ansehen.

Hubertus Fehrenbacher, 59, Leiter des Theaters im Marienbad: „Gertraude Ils ist eine charmante Frau, die bis heute viel Neugier und Durchsetzungskraft an den Tag legt. Ich selbst kenne sie schon seit 35 Jahren. Ich habe selten eine so wache Zuschauerin in unserem Theater gesehen. Sie ist mit ihrem kulturpolitischen Engagement eine wichtige Wegbegleiterin unseres Hauses. Ich werde ihr heute wie jedes Jahr an ihrem Geburtstag einen Blumenstrauß überbringen.“
Und sie ist eine Streiterin– für Umwelt und Gerechtigkeit. Unvergessen ihr Kampf gegen den Ausbau der B 31 – ein Foto von Gertraude Ils zusammen mit einem jungen Straßenausbaugegner wurde zum Symbol des Widerstands und fand als Postkarte tausendfach Verbreitung.

Christiane Weber, 60, Stadtführerin: „Gertraude Ils ist ’ne Frau, die mir ein großes Vorbild ist. Ich habe sie in den 80ern kennengelernt, mein Mann war mit ihr in der SPD. Wir waren oft zusammen im Roten Bären und in Basel im Theater. Sie kannte all die Stücke, die sie jemals gesehen hatte, wie aus dem Effeff. Dann habe ich Stadtführungen angeboten und sie bei einer Tour über besondere Frauen eingebaut. Gertraude Ils hat ja früh promoviert und ihr Doktorvater hat gesagt: „Und nun gehen Sie hin und heiraten Sie!“ Das hat sie sehr geärgert. Und über ihre Arbeit als Stadträtin hat sie mal geschrieben, wie sie sich einarbeiten musste, wie es mittags „Pellkartoffeln mit B 31″ gab, wie ihr Auseinandersetzungen zu schaffen machten. Sie hat immer schon gut erzählt und kann so präzise formulieren. Ich wünsche ihr, dass ihr jeder Tag und jede Stunde ihres Lebens wichtig und wertvoll sein soll.“                                                                                                                                   shfz,si

Am Dienstag, 29. April, wird die SPD im Theater im Marienbad öffentlich den mit 2000 Euro dotierten Gertraude-Ils-Preis vergeben – im Beisein der Namensgeberin. Zu diesem Anlass wird Gertraude Ils’ Lieblingsmärchen „Hänsel und Gretel“ in einer nicht-üblichen Form zu sehen sein. Theater im Marienbad, Marienstraße 4, Beginn der Veranstaltung 18 Uhr, Karten 8 (ermäßigt 6) Euro.