BZ-INTERVIEW mit der neuen städtischen Frauenbeauftragten Simone Thomas über ihre ersten Vorhaben.

 

 

  1. Simone Thomas an ihrem neuen Arbeitsplatz Foto: Thomas Kunz

 

Der Tag der Arbeit ist zugleich Tag eins von Simone Thomas’ Arbeitsvertrag: Mit dem 1. Mai ist die studierte Politologin nun die neue städtische Frauenbeauftragte. Das heißt, die kommunale Gleichstellungsstelle hat nach über einem Jahr Vakanz wieder eine Chefin. Julia Littmann sprach mit Simone Thomas – auch über Väter, über Verantwortung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

 

BZ: Niemand wird als Frauenbeauftragte geboren – was haben Sie, das Sie zur Frauenbeauftragten befähigt?
Simone Thomas: Die Stelle hat mich unter anderem deshalb angesprochen, weil mich die frauenpolitischen Themen schon immer umtreiben. Und weil ich finde, dass sich hochqualifizierte Frauen an zentralen Stellen in Politik und Verwaltung beteiligen müssen. Ich will gestalten und Ziele erreichen, letzten Endes geht es darum, durch eine starke Frauenpolitik bessere Möglichkeiten für Frauen herzustellen. Nützlich ist sicher meine langjährige Erfahrung in der Frauenarbeit: Ich weiß, wo’s hakt, woher Gegenwind kommt.Und es ist sicher auch hilfreich ganz Grundlegendes zu wissen. Zum Beispiel, wie Meinungsbildung funktioniert.

 

BZ: Haben Sie zum Start als Frauenbeauftragte schon eine Agenda, welche Dinge es zu tun, welche Ziele es gleich schon zu erreichen gilt?

Simone Thomas: Ganz konkret gibt es natürlich gleich schon eine ganze Liste von Anfragen und Terminen, die sich auch durch das lange „Vakuum“ der vergangenen fast anderthalb Jahre angesammelt haben. Und es gibt auch einige vorrangige Aktivitäten auf meiner Agenda. Ganz vorne steht unter anderem die EU-Charta zur Gleichstellung von Frauen und Männern auf kommunaler Ebene. Die wurde in Freiburg vor zwei Jahren unterzeichnet – und ist ein klarer Arbeitsauftrag. Ansonsten ist meine Arbeitssituation auf eine Art auch sehr offen für Gestaltung. Denn es gibt keinen nahtlosen Übergang, keine direkte Staffelstabübergabe oder Einarbeitung. Ich setze nun Neues auf die vorhandenen Gleise.

BZ: Wenn Sie jetzt gleich – wie die drei Wünsche von der Fee – ohne Vorschriften und ohne Staatsraison drei Projekte finanziert bekämen, die sofort umgesetzt werden – welche wären das?

Simone Thomas: Notorisch unterfinanziert ist der ganze Bereich „Hilfe für Frauen, die Gewalt erfahren haben“. Damit keine Frau mehr auf einen Therapieplatz warten muss, zum Beispiel, würde ich hier als erstes Projektgelder reingeben. Das zweite Unterstützungsprojekt wäre eines für Alleinerziehende, denn die rackern sich so unglaublich ab und ganz, ganz häufig fehlt ihnen nicht nur eine unterstützende Infrastruktur, sondern ganz einfach Geld. Und als drittes würde ich fördern wollen, dass Mädchen Lust auf technische Berufe bekommen. Aber wie im Märchen ist diese Beschränkung auf drei Wunscherfüllungen natürlich ein Alptraum – und einen der Wünsche müsste ich mit endlosen Folgewünschen einlösen, um alles tun zu können, was mir am Herzen liegt!

BZ: Es gibt keinen Ausbildungsgang für diese Arbeit, an was orientieren Sie sich?

Simone Thomas: Es ist nicht nur eine Stelle ohne dazugehörigen Ausbildungsgang, sondern auch eine Stelle ohne klassische „Stellenbeschreibung“, aber immerhin mit einer beachtlich langen Geschichte. Mein neuer Arbeitgeber scheint mit meinen eigenen Konzepten und Vorstellungen für die Arbeit als Frauenbeauftragte sehr einverstanden zu sein, – sonst hätte man sich nicht für mich entschieden. Und natürlich werde ich für meine Arbeit auf diverse Quellen zurückgreifen können, wie die Kontakte zu den Fraueneinrichtungen der Stadt, die Landes- und Bundesfrauenbeauftragten, die umgebenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung. Ich bin überzeugt, dass das als eine Art schrittweise Annäherung funktionieren wird, da ja nichts wirklich fixiert und festgeschrieben ist.

BZ: Gibt es so etwas wie ein Motto, unter das Sie Ihre Arbeit stellen?

Simone Thomas: Meine Stelle ist nicht mit Macht verknüpft – also kann mein Ziel nur sein, Anliegen zu kommunizieren, Notwendigkeiten sichtbar zu machen. Das heißt: Ich will Frauenthemen in der gesamten Gesellschaft öffentlich machen. Die Nöte und Anliegen von Frauen sind ja immer auch Männerthemen. Und richtig nachteilig ist, wenn Fraueninteressen nur als Nischenthemen in frauenbewegten Kreisen wahrgenommen und beredet werden, dabei gehen diese Dinge alle an. Zum Beispiel wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gerne als Mütterthema behandelt. Tatsächlich aber trifft sie auch die Väter. Und unsere gemeinsame Frage ist doch: In welcher Gesellschaft wollen wir leben – wir alle, Mütter und Väter und deren Kinder.

BZ: Sehen Sie sich also als eine Art Familienbeauftragte?

Simone Thomas: Nein. Die Möglichkeiten des Familie-Lebens sind nur ein Aspekt der Gleichstellungsarbeit. Ich habe als Frauenbeauftragte natürlich alle Frauen im Blick mit ihrer jeweiligen Lebenswirklichkeit: die in der Ausbildung oder im Studium, die ohne Arbeit, die alten Frauen, die behinderten, die mit Migrationshintergrund, die Künstlerinnen und Unternehmerinnen, die mit Problemen wie Sucht, Aids, Gewalterfahrung, Armut, die Mädchen, Mütter und so weiter.

BZ: Mit Ihrer Stelle kommt viel Arbeit auf Sie zu. Mit was gleichen Sie diese Anstrengung aus?

Simone Thomas: Ich habe eine tolle Familie, mit der ich sehr, sehr gerne zusammen bin und die mich in allem super gut unterstützt. Außerdem bin ich gerne unterwegs und reise. Da reizen mich vor allem exotische Länder – und ich esse auch gerne exotisch. Apropos essen: Kochen ist leider nicht mein Ding, aber zum Glück kocht mein Mann hervorragend. Im übrigen fahre ich gerne Snowboard – und bin schon immer und jederzeit für verrückte, schräge Events der Subkultur zu haben.

 

ZUR PERSON: SIMONE THOMAS

 

Die neue Freiburger Frauenbeauftragte, Simone Thomas, wurde1966 in Karlsruhe geboren. Nach dem Abitur machte sie eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin, arbeitete ein Jahr lang in Florida und studierte von 1989 bis 1997 in Freiburg Politikwissenschaften, Betriebswirtschaftslehre, Anglistik. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder, 16 und 18 Jahre alt. Fünf Jahre lang arbeitete sie im „Funduz“, den sie mitgegründet hatte, sieben Jahre lang bei Frauenhorizonte und vier Jahre lang machte sie die Öffentlichkeitsarbeit fürs Solarinfocenter.

Das Interview führte Julia Littmann, BZ, 2. Mai 2014