Das Interview führte YVONNE WEIK von der BZ-Redaktion

„Unabhängig und Frau, das gehört zusammen“

 

Auf einen Kaffee mit Irene Vogel, der Spitzenkandidatin der Unabhängigen Frauen Freiburg für die Kommunalwahl.

Irene Vogel Foto: Thomas Kunz

Vom Eiscafé Lazzarin am Rand des Rathausplatzes hat Irene Vogel alles im Blick. Sie sitzt gerne dort – allerdings eher selten mit einer Tasse Cappuccino. „Ich trink’ eher Tee“, sagt sie. Heute steht vor ihr ein Wasser auf dem Tisch, und ein Aschenbecher. Noch ein Vorteil des Eiscafés: Irene Vogel kann dort rauchen, an ihrem Lieblingsplatz am Rand der offenen Schiebetüren sogar bei schlechtem Wetter. Außerdem sind’s nur wenige Schritte zu ihrem Arbeitsplatz: Die 56-Jährige hat eine 60-Prozent-Stelle als Fraktionsgeschäftsführerin der Unabhängigen Listen.

Seit 15 Jahren sitzt sie für die Unabhängigen Frauen im Gemeinderat. Was ist ihr wichtiger: unab­hängig zu sein oder eine Frau? Irene Vogel überlegt kurz: „Beides, das gehört zusammen.“ Die Stadträtin will sich einmischen und mitgestalten. Das war schon immer so, erzählt sie. Mit 22 Jah­ren war sie die jüngste Betriebsratsvorsitzende Baden-Württembergs. Auch Zuhause in der Großfa­milie in Kollmarsreute setzte sie sich durch: Mit 13 Jahren sollte sie in den Kirchenchor, wie Mutter und Großmutter. „Ich hab mich gewehrt“, sagt sie, auch wenn das enttäuschend für ihre Mutter ge­wesen sei.

Während Irene Vogels Schulkameradinnen heirateten, Kinder bekamen und bei den Eltern ausbau­ten, zog sie mit 18 nach Freiburg. „Die dörfliche Enge war nichts für mich.“ Irene Vogel fühlt sich da wohl, wo Leben ist. Wie auf dem Rathausplatz. Wenn sie sofort etwas ändern könnte in ihrer Stadt? „Lauter Ganztagsschulen und Kinderbetreuung – und zwar mit hoher Qualität und kostenlos“, sagt Irene Vogel schnell. Sie kämpft für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ob­wohl sie selbst keine Kinder hat, „aber eine Nichte, da bin ich froh drüber“. Das Rathaus sei zwar ein familienfreundlicher Betrieb, aber „in der Stadt ist noch viel zu tun“. Sie weiß, dass man in der Politik dranbleiben muss. Doch Ausdauer lohne sich: „Die Infrastruktur von Frauenberatungsstel­len, das war auch hart erkämpft.“

Bei allem Einsatz, den sie als Stadträtin zeigt, einen Termin lässt Irene Vogel so gut wie nie ausfal­len: Mittwochs wird Doppelkopf gespielt, in einer Frauenrunde. Kann sie gut verlieren? „Nö, nicht so.“ Ihre Emotionen hat sie aber nicht nur im Gemeinderat gut im Griff: Nur ein Mal in 30 Jahren, erzählt sie, hat sie vor Wut die Karten auf den Tisch geworfen. Warum? „Meine Partnerin hat nicht so funktioniert.“ Dennoch setzt Irene Vogel beim Kartenspielen auf Frauenteams. Im Job sind ihr gemischt-geschlechtliche Verhältnisse lieber. „Fifty-Fifty“ soll auch der Gemeinderat sein, fordert sie. 16 Frauen sind’s aktuell und 32 Männer. „Das ist eigentlich blamabel.“ Mit ihren Mitstreiterin­nen auf der Frauenliste kämpft sie um zwei Sitze im Rat. Und wenn’s mal 50:50 steht, werden die Unabhängigen Frauen dann aufgelöst? Irene Vogel zuckt mit den Schultern: „Es braucht uns, solan­ge es strukturelle Benachteiligung für Frauen und Mädchen gibt.“ Bei einem ist sie aber sicher: Der Großteil ihrer Stimmen kommt von Frauen. „Ich glaub’, die Männer finden das immer etwas dubi­os.“

IRENE VOGEL

wurde 1957 in Freiburg geboren. Sie wuchs in Kollmarsreute auf, flüchtete mit 18 Jahren aus den dörflichen Strukturen ins studentische Freiburg. Die Industriekauffrau und spätere Fremdsprachen­korrespondentin wohnte anfangs in einer Wohngemeinschaft im besetzten Dreisameck. Heute lebt sie allein am Rand der Innenstadt im Stadtteil Wiehre. Irene Vogel hat keine Kinder, doch ab und zu vermietet sie ein Zimmer an Studierende. Seit 15 Jahren ist sie Stadträtin und arbeitet als Fraktions­geschäftsführerin der Unabhängigen Listen.

 

(BZ-Interview: YVONNE WEIK, 7. Mai 2014)