#ausnahmslos statt teilnahmslos: Gegen sexualisierte Gewalt. Immer. Überall

Voll besetzt war der große Saal im Historischen Kaufhaus in Freiburg, als Anne Wizorek am 18. Februar 2016 ihren Vortrag hielt. Simone Thomas, die städtische Frauenbeauftragte, hatte eingeladen. Gekommen waren überwiegend Frauen aller Alterstufen, aber auch nicht wenige Männer.

Anlass des Vortrags waren die Übergriffe in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof. Wizorek berichtete, wie nahezu unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorgänge die Attacken in den Medien auf die Netzwerkaktivistin begannen. Mit ihrem #Aufschrei gegen sexualisierte Gewalt sei sie über die Bundesrepublik hinaus bekannt geworden, schweige aber jetzt zu den Vorgängen in Köln, hieß es. Der eigentliche Vorwurf: damals ein überzogener Angriff auf einen ungeschickt flirtenden Politiker (#Aufschrei reduziert auf die Brüderle-Story), jetzt, bei echter Gewalt gegen Frauen, nur peinliches Schweigen, weil die Angreifer Migranten seien. Wizorek konnte belegen, dass häufig gerade die Journalist*innen und Politiker*innen plötzlich gegen sexualisierte Gewalt an „unseren“ Frauen trommelten, die beim #Aufschrei die dort berichteten Übergriffe als missverstandene Anmache verniedlicht hatten.

Ganz schnell verschwand das Problem sexualisierter Gewalt gegen Frauen aus der Debatte, statt der Opfer rückten die Täter in den Vordergrund, indem die Vorfälle vorzugsweise als ein Ausländerproblem behandelt wurden. So lieferten sie die Handhabe, gegen Geflüchtete Stimmung zu machen. Damit steht jetzt nicht die unzureichende rechtliche Situation der Frauen, die Gewalt ausgesetzt waren, im Zentrum, sondern die rechtliche Handhabe, straffällig gewordene farbige Männer schneller abzuschieben. Aus dem Thema sexualisierte Gewalt gegen Frauen wurde unversehens Rassismus. Wizorek plädierte für genaues Hinsehen, Differenzierung und Unvoreingenommenheit.

Im Anschluss an den Vortrag trugen drei Vertreterinnen aus der Vorbereitungsgruppe Forderungen aus Freiburger Organisationen zum Problem sexualisierter Gewalt vor, darunter UFF-Frau Ela Schlesiger (denn die UFF hatten ihre geplante Veranstaltung mit Wizorek an die Gleichberechtigungsstelle abgegeben und dafür eine Veranstaltung mit den Landtagskandidat*innen am 10. März eingehandelt).

Die lebhafte Diskussion, die sich dann anschloss, musste schließlich mit dem Hinweis auf die späte Stunde (21.40h) und den ab 22 h zu zahlenden Nachttarif beendet werden.

Was für eine gute Veranstaltung!