Die Berufstätigkeit der Mütter (und einer wachsenden Zahl von Vätern) steht und fällt mit der Betreuung der Kinder. Nur wenn die stimmt, sind Familie und Beruf vereinbar. Dass sich auf diesem Gebiet endlich etwas tut, ist zu begrüßen und hoch an der Zeit.

Die Stadt Freiburg wird Millionen ausgeben müssen, um eine gute Betreuung der Schulkinder anzubieten. Ein Konzept wurde mit Hilfe von Schulleitern und Trägern entwickelt – bei den Eltern aber gibt es Kritik: zu unflexibel und zu teuer. Die Daten wurden vor fünf Jahren erhoben – so läuft die Erarbeitung neuer Konzepte in der Regel – , sie stimmen mit dem heutigen Bedarf schon nicht mehr überein. Immer häufiger suchen beide Eltern Möglichkeiten, mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu können. Sie wählen deshalb beide Teilzeit. Darauf aber sind die Modelle nicht zugeschnitten. Die Schulen bieten Betreuung bis 14 Uhr (ohne Mittagessen) oder bis 17 Uhr (mit Mittagessen) an. Eltern, die ihre Kinder also nur bis 15 Uhr in der Schule lassen wollen, können damit nicht einverstanden sein. Denn bisher war genau das möglich: ein Kind, das noch dazu Mittag gegessen hatte, um 15 Uhr abzuholen.

Über diese Probleme berichtete die Badische Zeitung am 28. April 2014 in ihrem Artikel  „Grundschulen bauen Betreuung aus – Eltern kritisieren Konzept“: „An elf Schulen [in Freiburg] wird umgekrempelt und ausgebaut.“

 

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„Vor der ersten Ausbaustufe müssen sich Eltern zur Zeit entscheiden, ob und wann ihr Kind betreut werden soll, wenn es keinen Unterricht hat. Eine Reihe von Eltern verwirrte das neue Konzept, sie mussten im Rathaus nachfragen. Und einige haben sich bereits beschwert.

Stefanie Krauter findet das neue Konzept einen Rückschritt. Ihre Tochter besucht die Lorettoschule, eine von elf öffentlichen Grundschulen, an denen die Qualitätsoffensive der Stadt im Sommer startet. Die bietet geänderte Zeitmodule – von früh über Mittag bis Spätdienst – und überall gleiche Standards und Beiträge. „Es ist unflexibel“, sagt Stefanie Krauter. Ihre Tochter bräuchte Betreuung bis 15 Uhr und ein Mittagessen, was bisher an der Lorettoschule möglich war.

Doch dort gibt es künftig ein Modul bis 14 Uhr ohne Essen (60 Euro im Monat), oder ein Paket bis 17 Uhr mit Essen (110 Euro plus Essensgeld). Die Krauters arbeiten Teilzeit. „Ich will nicht aufstocken, um die Betreuung zahlen zu können, ich will lieber meine Tochter sehen“, sagt die Mutter. Bis 2. Mai muss sie buchen. Sie denkt, dass auch anderen die neuen Module nicht passen: „Ich glaube nicht, dass wir Exoten sind.“

Dass das neue Modell Vorteile birgt und ein Mehr an Betreuung möglich wird, wird von vielen Eltern begrüßt. Dass es zu wenige Variationsmöglichkeiten bietet, beklagen einige, so die BZ:

 

„Beschwert haben sich bisher sechs Eltern von Loretto- und Karoline-Kaspar-Schule, sagt Rathaussprecherin Eva Amann: An beiden Schulen gibt es bisher die Sonderregelung bis 15 Uhr, die mit dem neuen Konzept abgeschafft wird. Das will die Qualität steigern, ausschließlich Erzieherinnen und Pädagogen sollen die Kinder betreuen. Neu sind auch die pädagogische Betreuung im Block bis 17 Uhr, der Spätdienst und mehr Ferienbetreuung. Für das Konzept hat das Schulamt viel Lob bekommen, so Amann. „Das Konzept soll den Bedarf der Eltern möglichst passgenau abdecken“, sagt Amann. […] Eine Umfrage vor fünf Jahren hatte gezeigt, dass viele Eltern mehr Betreuung wollen.“

Die Stadt Freiburg ist stolz darauf, so schnell nach der Erweiterung des Krippen- und Kita-Angebots auch für die Grundschulkinder sorgen zu können. Es sei, so die Schulbürgermeisterin Gerda Stuchlik in der BZ, Freiburgs größtes Projekt für Schulkinder in diesem Jahrzehnt. Mehr Qualität, mehr Quantität, aber das kostet Geld: die Eltern müssen z.T. mehr zahlen, die Stadt muss Millionen investieren, um- und anbauen, um die Betreuung überhaupt in den Schulen realisieren zu können, ganz zu schweigen von der Dauerbelastung im Haushalt.  „Die Lorettoschule soll im nächsten Schuljahr eine Caféteria für 1,1 Millionen Euro bekommen. Dann gibt’s genug Platz, sodass auch die 14-Uhr-Kinder ein Mittagessen bekommen können.“, liest frau in der Badischen Zeitung.

„Das Jugendhilfswerk ist Träger der Loretto-Betreuung. Vize-Geschäftsführer Michael Schramm hat den Eindruck, dass das Angebot zwar vereinheitlicht, aber noch immer sehr flexibel ist. Er kann sich vorstellen, dass das Konzept in der Praxis mitunter nicht so starr gehandhabt wird. Ihn treibt eher die Sorge um, dass die Ausstattung mit Räumen im Sommer noch nicht reicht – „und wir nicht alle Kinder, die sich anmelden, aufnehmen könnten“. […] Fast die Hälfte der rund 6000 Kinder an 30 öffentlichen Grundschulen der Stadt nutzen schon ein Betreuungsangebot. Die erste Ausbaustufe des neuen Konzepts beginnt mit dem kommenden Schuljahr an elf Grundschulen: Albert-Schweitzer-, Anne-Frank-, Clara-Grunwald-, Emil-Gött-, Karoline-Kaspar-, Gerhart-Hauptmann-, Loretto-, Lortzing-, Mühlmatten-, Schauinsland- und Tullaschule. Die zweite Ausbaustufe soll im Schuljahr 2016/2017 kommen.“