Birgit Heidke, UFF-Kandidatin und Historikerin, lädt mit Astrid Mischlich zu einer Busrundfahrt ein.

Thema:  Migration von Frauen in der Region – gestern und heute

Zeit: 19. 10. 2014, 15 Uhr.   Start: Konzerthaus Freiburg.   Dauer: ca. drei Stunden.   Eintritt: 15 €, ermäßigt 7 €   Karten nur im Vorverkauf: Buchhandlung jos fritz, Wilhelmstraße 15

Dazu schreibt ANJA BOCHTLER in der BZ am 15. 10. 2014 (Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung):

Recherchieren, erzählen, festhalten

VEREINT IM VEREIN: Die Feministische Geschichtswerkstatt legt ihren ersten Schwerpunkt auf die Erinnerungen von Zuwanderinnen.

Anja Bochtler

 

v.l. Birgit Heidke und Astrid Mischlich

Mobile Geschichten

Birgit Heidtke (links) und Astrid Mischlich von der Feministischen Geschichtswerkstatt vor dem Gebäude Idingerstraße 3, in dem sich einst eine Flüchtlingsunterkunft befand. Foto: Ingo Schneider

 

FREIBURG. Waren die Fahrradständer dieselben? Nein, zudem wurde das Haus längst gestrichen. Beim Vergleich helfen Birgit Heidtke (55) und Astrid Mischlich (49) alte Fotos: Sie stehen vor der Idingerstraße 3 in Betzenhausen, wo bis 1988 eine Flüchtlingsunterkunft war. Inzwischen sind dort Wohnungen. Hier ist eine Station, an der die Frauen der Feministischen Geschichtswerkstatt am Sonntag Halt machen werden – bei ihrer Bustour zur Geschichte und Gegenwart von Migrantinnen.

Im April 1988 war hier ein wichtiger Ort: Damals protestierten die Flüchtlinge, die jeweils zu zehnt oder zwölft in Drei-Zimmer-Wohnungen in der Idingerstraße 3, 5 und 7 untergebracht waren, gegen ihre Lebenssituation – speziell gegen ihre Versorgung mit Esspaketen statt mit Geld.

Astrid Mischlich hat Infos rund um den Hungerstreik gesammelt, unter anderem beim Deutschen Roten Kreuz, das die Flüchtlinge unterstützte. Der Hungerstreik veränderte zwar nicht generell die Bedingungen, doch zumindest den Teilnehmerinnen und Teilnehmern brachte er Verbesserungen: Sie bekamen Wohnungen – und damit auch Geld, denn Pakete gab’s nur in den Unterkünften. Die Unterkunft in der Idingerstraße wurde aufgelöst.

Die Frauen der Feministischen Geschichtswerkstatt haben keine Zeitzeugin von 1988. Statt dessen erzählt am Sonntag eine aus der Türkei stammende Frau von ihrer Zeit Ende der 1990er in der Unterkunft an der Bissierstraße – auch damals bekamen die Bewohner kein Geld, sondern mussten zu festgelegten Zeiten mit Chipkarten in einem bestimmten Supermarkt „einkaufen“. Die Bustour führt unter anderem auch nach Waldkirch zu den Ursprüngen der italienischen Vereinigung christlicher Arbeitnehmer (Acli) und der „Nudelwerkstatt“ als Arbeitsmöglichkeit für Frauen.

Und nach Landwasser, wo aus Russland stammende Frauen an die russische Dichterin Marina Zwetajewa, die kurz in Freiburg lebte, erinnern werden. Die Bustour ist eines der Ergebnisse der Forschungen der Geschichtswerkstatt-Frauen. Angefangen hatte alles 2011, als in Freiburg das Bundestreffen von „Miss Marples Schwestern“, einem Netzwerk zur Frauengeschichte, stattfand. Die Historikerin Birgit Heidtke und die Ethnologin Astrid Mischlich waren von Anfang an dabei, auch viele der anderen sind in ihrem Alter – aber es gibt auch ein paar Jüngere um die 20. Bei der Gründung des Vereins war klar, dass der Schwerpunkt der ersten Jahre auf den Zuwanderinnen liegen wird – die Hälfte der Gründungsmitglieder hat selbst eine Migrationsgeschichte.

Inzwischen laufen im Projekt „Protagonistas“, gefördert unter anderem von der Stadt und dem Fonds Soziokultur, etliche Erzählreihen. Besonders zum Interviewen und Transkribieren wären Neueinsteigerinnen willkommen.

Sonntag, 19. Oktober, 15 Uhr: „Mobile Geschichten“, Busrundfahrt. Start vor dem Konzerthaus, Karten (für 15 Euro, ermäßigt 7 Euro) nur im Vorverkauf, Buchhandlung Jos Fritz, Wilhelmstraße 15. Es sind nur noch wenige Karten erhältlich.

 

FEMINISTISCHE GESCHICHTSWERKSTATT

Gegründet: 2013.
Mitglieder: knapp 20.
Angebot: Projekt „Protagonistas“ mit Erzählcafés, -tandems, -gruppen, Rundgängen und Rundfahrten zur Geschichte von Zuwanderinnen. Angedacht sind der Aufbau eines Archivs zur Frauengeschichte und eine Fortsetzung der 1995 als Buch erschienenen Stadtgeschichte der Freiburgerinnen von 1800 bis 1950.
Mitgliedsbeitrag: 30 Euro/Jahr.
Kontakt: info@femwerkstatt.de

Mitglieder: knapp 20.

Angebot: Projekt „Protagonistas“ mit Erzählcafés, -tandems, -gruppen, Rundgängen und Rundfahrten zur Geschichte von Zuwanderinnen. Angedacht sind der Aufbau eines Archivs zur Frauengeschichte und eine Fortsetzung der 1995 als Buch erschienenen Stadtgeschichte der Freiburgerinnen von 1800 bis 1950.

Mitgliedsbeitrag: 30 Euro/Jahr.

Kontakt: info@femwerkstatt.de

Mittwoch, 15. Oktober 2014.  Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.